Dürfen Mieter auf dem Balkon Solarstrom erzeugen?

Jinny Verdonck

12. September 2020

Mit einer Stecker-Solaranlage ist es möglich, zu Hause auf dem Balkon oder der Terrasse selbst Strom zu erzeugen. Bei einer Stecker-Solaranlage handelt es sich um eine kleine Photovoltaikanlage, die steckerfertig geliefert wird. Wer als Mieter jedoch eine solche Anlage nutzen möchte, der muss beim Kauf und der Montage einige wichtige Punkte beachten. Darüber hinaus muss er sich das Ganze eventuell vom Vermieter genehmigen lassen.

Wann ist die Zustimmung des Vermieters erforderlich?

Unter Umständen kann die Erlaubnis des Vermieters erforderlich sein. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn das äußere Erscheinungsbild des Miethauses durch das gewünschte Solarmodul verändert wird. Außerdem benötigt ein Mieter die Genehmigung seines Vermieters, falls in die Bausubstanz eingegriffen werden muss, um die Stecker-Solaranlage auf sichere Weise anzubringen. Des Weiteren kann es natürlich auch vorkommen, dass eine derartige Veränderung durch die Eigentümerversammlung ausgeschlossen wurde, obwohl der Vermieter persönlich nichts gegen eine Stecker-Solaranlage einzuwenden hat.

Die Erlaubnis kann der Vermieter unter Vorbehalt stellen. Der Eigentümerverband Haus & Grund empfiehlt Vermietern beispielsweise sicherzugehen, dass die Anbringung der Solaranlage durch eine Fachfirma ausgeführt wird, bevor sie dem Mieter ihre Erlaubnis erteilen. Zudem sollte der Mieter eine Haftpflichtversicherung abschließen, die für jegliche Schäden aufkommt, die eventuell durch die Solaranlage entstehen könnten. Erst wenn der Mieter diese beiden Punkte erfüllt, sollte der Vermieter die Anbringung der Solaranlage genehmigen.

Doch nicht nur der Vermieter und die Eigentümmerversammlung haben in diesem Punkt das Sagen. Auch die Nachbarn haben in bestimmten Fällen das Recht, ein Veto einzulegen, nämlich dann, wenn die Reflexionen der Solaranlage sie blenden. Ist dies der Fall, so können Sie verlangen, dass das Solarmodul entfernt wird.

Die elektrische Sicherheit ist das A und O

Eine äußerst wichtige Rolle nimmt selbstverständlich auch die elektrische Sicherheit ein. Es ist nicht möglich, eine Stecker-Photovoltaik-Anlage ohne Weiteres in die normale Steckdose zu stecken. Benötigt wird nämlich eine spezielle Energiesteckdose. Hierfür ist die Installation durch einen Elektriker erforderlich. Sofern bei der Installation ein Eingriff in die Bausubstanz erfolgt, beispielsweise wenn die Leitung unter Putz verlegt wird, so ist die Genehmigung des Vermieters erforderlich. Zudem muss von einem Elektriker vorab geprüft werden, ob das vorhandene Stromnetz der Wohnung für die zusätzliche Stromeinspeisung geeignet ist. Wenn das Stromnetz aufgerüstet werden muss, ist die Zustimmung des Vermieters notwendig. Die Arbeiten müssen dabei stets von einem Elektriker ausgeführt werden und der Mieter muss für die Kosten aufkommen.

Wenn durch die Solaranlage mehr Strom erzeugt wird, als für den Eigenbedarf benötigt wird, so kann die überschüssige Energie wieder zurück ins öffentliche Stromnetz fließen. Mit einem Standard-Stromzähler ist dies jedoch nicht möglich. Daher ist die Installation eines Zweirichtungszählers notwendig, um eine Stecker-PV-Anlage betreiben zu können. Dies kann der Mieter beim jeweiligen Netzbetreiber beantragen, muss dafür jedoch auch für die entstehenden Kosten aufkommen. Für den überschüssigen Strom kann eine Einspeisevergütung beantragt werden. Die Solaranlage muss dafür vor der Inbetriebnahme bei der Bundesnetzagentur vom Mieter online angemeldet werden.

Fazit

Der Umwelt zuliebe ist eine Stecker-Solaranlage eine gute Sache. Ein Mieter darf eine solche Anlage jedoch unter Umständen nicht ohne die Erlaubnis des Vermieters anbringen. Für Hauseigentümer ist es empfehlenswert, vor der Zustimmung besonders das Thema Sicherheit zu beachten. Sie können daher vom Mieter verlangen, dass er bei der Installation bestimmte Auflagen erfüllt.